Nur wenige Gehminuten vom Alexanderplatz an der Karl-Liebknecht-Straße am Fuße des Fernsehturmes im Berliner Ortsteil Mitte, die Marienkirche.
Sie ist die älteste noch sakral genutzte städtische Pfarrkirche Berlins.
Der Turm stammt aus dem 15. Jh., der heutige kupferne Aufsatz, eine Mischung aus barocken und neogotischen Stilelementen,
ist ein Werk Carl Gotthard Langhans, des Baumeisters des Brandenburger Tors (1789/90).
Bild 2: Vor der Kirche der Neptunbrunnen, er ist einer der ältesten Brunnen Berlins und gilt als einer der schönsten der Stadt.
Die dreischiffige gotische Hallenkirche, mit den gestaffelten Bündelpfeilern und sich verkürzenden Gewölbejochen entlang bis zum lichten Chor.
Bild 3: Der Hauptaltar (um 1762) Barock, von Andreas Krüger.
Die Gemälde stammen von Bernhard Rode. Das Taufbecken mittig vor dem Altar (1437) gotisch, Bronzeguss.
Bild 2: Mit ihren Bildtafeln, Reliefs und Epitaphien ist die Marienkirche auch ein kleines Kunstmuseum.
In den Grabstätten der Marienkirche sind zahlreiche Berliner Bürger bestattet worden.
Von den erhalten gebliebenen Grabdenkmälern sind einige Epitaphe hervorzuheben, die von Joachim Zerer,
für den Feldmarschall Otto Christoph von Sparr, für den Bürgermeister Joachim Lizmann,
für Ehrentreich von Röbel und den Prediger Friedrich Roloff.
"Die Kanzel"
Kanzel mit dem aufwendig gearbeitetem Treppengeländer aus Alabaster.
Die am 4. Juni 1703 geweihte Kanzel ist das Werk des Bildhauers Andreas Schlüter (um 1660 – 1714),
der hölzerne Schalldeckel wird von einer barocken Engelgruppe und einer Strahlensonne bekrönt.
Zwei barocke Engelsgestalten tragen den Kanzelkorb, dessen Marmorstuck Allegorien von Glaube, Liebe, Hoffnung zeigen.
"Gemälde und Epitaphe"
Unter den Gemälden sind besonders die aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts interessant.
Bild 1: ist die „Kreuzigung Christi“, Öl auf Holz, gemalt 1612 von Nathan Mau.
Bild 2: ist das Tafelbild des Thomas Blankenfelde-Bürgermeister von Berlin, bei diesem Bild liegt es nahe an ein Stifterbild zu denken,
die Stifterfiguren treten schon sehr deutlich in den Vordergrund und weisen auf den Übergang zur Selbstdarstellung hin. Quellennachweis: PMKB
Bild 1: Konsolsteine der Armen aus dem Konventshaus der Franziskaner,
dazu gehört die Madonna mit Kind im Kreise der Franziskanerheiligen aus der Zeit nach 1450.
Die Qualität der Malerei weist auf hochkarätige Künstler hin.
Weitere Gemälde zum Teil aus der Schule Dürers und von Cranach an den Wänden der Hallenkirche.
Bild 2: Die von Thurneysser bearbeitete Tafel mit Stifterfiguren,
die aller Wahrscheinlichkeit nach Wilke Blankenfelde und seine Frau Katharina sowie seinen Sohn Thomas auf der einen Seite
und auf der anderen Seite seinen Bruder Hans mit seine Frau Sophia am Sockel des heiligen Bernhard von Siena darstellen,
alles aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, bringt die ganze Welt der Heiligen in die Franziskanerkirche zurück.
Quellennachweis: PMKB
Am Kopfende des nördlichen Seitenschiffes thront das Epitaph für
Ehrentreich von Röbel (gest. 1630) und seine Frau Anna (gest. 1642), in Sandstein gearbeitet.
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Bild 1: Grabmal Anna Stiller 1719. Bild 3: Grabmal Christoph Stiller 1716.
"Die Orgel"
Die Orgel der Marienkirche wurde zwischen 1720–1722 von Joachim Wagner, geschaffen,
der zuvor zwei Jahre bei seinem Lehrer Gottfried Silbermann gearbeitet hatte.
In der Folgezeit wurde das Instrument mehrfach verändert.
So ließ z. B. im Jahr 1800 Abbé Vogler von den 2556 Orgelpfeifen 1555 Stück entfernen,
da sie aus seiner Sicht „überflüssig“ wären. Weitere Umbauten, auch um den Klangumfang wiederherzustellen
fanden 1829 und 1893/94 und 1908 statt wo die Stimmenzahl auf 57 erhöht wurde.
Als eine der wenigen Orgeln überstand die „schönste Orgel Berlins“ der Marienkirche die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges weitgehend.
Totentanzfresko
Eines der bedeutendsten, erhaltenen mittelalterlichen Kunstwerke Berlins stellt das Totentanzfresko in der Turmhalle der Kirche dar.
Der Totentanz wurde wahrscheinlich in der Reformationszeit mit Kalk übertüncht und erst im Jahr
1861 durch den Hofbaurat Friedrich August Stüler wiederentdeckt. Heute befindet sich das Wandbild in keinem guten Zustand.
Durch die Nässe im Mauerwerk ist die Darstellung stark verblasst und wird durch eine Glaswand geschützt.
Das 22,6 Meter lange und zwei Meter hohe Wandbild zeigt einen Reigen aus geistlichen und weltlichen Ständevertretern,
die sich in einem Schreittanz mit jeweils einer Todesgestalt befinden.
Über die Entstehung des Freskos gibt es keine schriftliche Überlieferung.
Daher hat man versucht, dem Ursprung mit kriminalistischem Gespür auf den Grund zu gehen.
Man kann den Totentanz durch verschiedene Rückschlüsse in etwa auf das Pestjahr 1484 datieren.
Die Besonderheit der Darstellung liegt in ihrer geometrischen Anordnung, die sich vom Westeingang,
dann verwinkelt über den Pfeiler, die Westwand und die Nordwand fast in die Kirche hineinzieht.
Die geistlichen und weltlichen Ständevertreter werden durch eine Kreuzigungsszene,
welche das Zentrum der Darstellung bildet, getrennt. Die dazugehörigen Textverse stellen die älteste Berliner Dichtung dar.
In den Versen beklagen die Ständevertreter ihr Leid und bitten den Tod um einen Aufschub.
Die Verse sind in der Sprache des kleinen Mannes gehalten und enthalten ein franziskanisch geprägtes Weltbild,
welches sich auch in der Trennung von geistlichen und weltlichen Ständevertretern niederschlägt.
Der Reigen selbst wird von einem predigenden Franziskaner eröffnet – daher vermutet man als
Künstler des vom Berliner Bürgertum in Auftrag gegebenen Wandbildes einen Franziskaner.
Diese Vermutung wird dadurch erhärtet, dass in diesem Zeitraum Bauarbeiten am Grauen Kloster der Franziskaner in Berlin durchgeführt wurden.