Groß Sankt Martin ist eine der zwölf großen romanischen Kirchen in der Kölner Innenstadt.
Die dreischiffige Basilika mit ihrem kleeblattförmigen Ostchor und dem quadratischen Vierungsturm mit vier Ecktürmchen
ist eines der markantesten Wahrzeichen im linksrheinischen Stadtpanorama.
Im Außenbau zeigt sich deutlich ein Gestaltungsprinzip der staufischen Romanik.
Wo die Fassade durch ein Gesims endet und der Turm in sein hohes Knickdach übergeht,
ragen die Flankierungstürmchen noch mit zwei kleinen Geschossen frei in die Höhe und schließen
mit einem gefältelten Pyramidendach ab. Die vorherigen Motive Plattenfries,
Blendbögen und Galerie finden sich auch in diesen beiden Geschossen in verkleinerter Form wieder.
Beim Innenraum der Basilika sind zwar unterschiedliche Bauphasen zu unterscheiden.
So weisen Teile des Langhauses gegenüber dem romanischen Vierungsturm deutlich gotische Einflüsse auf.
Insgesamt gehen die Bestandteile jedoch ohne Brüche harmonisch ineinander über.
Das baldachinartige Deckengewölbe und die seitlichen Bögen werden durch hohe, kräftige Säulengruppen gestützt.
Ein Gesims zieht sich auf halber Höhe, etwas niedriger als im Zwischenjoch,
an den Außenmauern entlang und stützt die darüberliegenden Rundbogenarkaden.
Bei diesen wechselt je ein schmaler Bogen mit einem breiteren für die Fensteröffnungen, drei pro Apsis, ab.
Zwischen Säulenarkaden und Fenstersims verläuft ebenso wie im Mittelschiff ein schmaler Gang,
der in den Zwischenbögen des Chors zu kleinen Treppenhäusern in die Zwerggalerie und in die Räume oberhalb der Seitenschiffe führt.
Rund um den Altar prachtvolle Mosaike.
Bild 2: Das Triptychon, das heute am nordöstlichen Langhauspfeiler hängt,
stammt vermutlich aus einer niederrheinischen Werkstatt und ist um 1530 entstanden.
Es zeigt drei Szenen aus der Kindheit Jesu, gemalt in der Bildsprache der niederländischen Renaissance: in der Mitte die Anbetung der Könige,
links Maria und Josef in stiller Anbetung ihres Sohnes, und auf dem rechten Seitenflügel die Beschneidung des Jesuskindes.
Bild 2: Grablegungsgruppe. Von links nach rechts: Nikodemus, unbekannte Klagefrau, Maria aus Magdala, Maria, Johannes, Josef von Arimathäa.
Die Skulpturen der Kreuzigungsgruppe bestehen aus dem gekreuzigten Christus, seiner Mutter Maria und dem Apostel Johannes.
Von dem Figurenschmuck des die Gruppe umrankenden gotischen Sandsteinbogens sind nur drei kleine Statuetten erhalten,
die Adam und Eva sowie vermutlich einen Propheten darstellen; der Rest des Bogens ist völlig verwittert.
Bild 1 - 2: Der Schmerzensmann: Die fast lebensgroße Holzfigur aus dem 16. Jahrhundert stammt möglicherweise aus derselben Werkstatt wie die Kreuzigungs- und Grablegungsgruppe.
Bild 3: Skulptur des Heiligen Eliphius: Frühestens im 12. Jahrhundert entstanden, zeigt die Skulptur die Wundertat des zweiten Schutzheiligen der Kirche,
der nach seiner Enthauptung mit seinem Kopf in der Hand die Stelle seines eigenen Grabes ausgesucht haben soll. Die Figur wurde 1986 im Kunsthandel erworben.
Bild 4: Brigidenkapelle: die schmalere Nische der Westwand, an die sich früher die Brigidenkirche anschloss, beherbergt heute eine Statue der irischen Äbtissin Brigida von Kildare,
die ihre Jugend in bäuerlichen Verhältnissen verbrachte.
Einen Übergang zwischen Langhaus und Chor bildet östlich das Zwischenjoch,
das sich deutlich von den drei westlichen Jochen unterscheidet. Es ist in seiner Grundform rechteckig
und hier steigen kräftige Gruppen von Rundsäulen direkt vom Boden durchgehend bis ins Gewölbe empor.
Ein Gesims, ähnlich dem der westlichen Joche, liegt deutlich niedriger als bei diesen.
Im Obergeschoss wird der Übergang zum Gewölbe ebenfalls von einer Bogenarkade gebildet,
diese ist aber anders als im Langhaus noch deutlich romanisch; der mittlere der drei Rundbögen erhebt sich über die beiden seitlichen.
Die sechs Langhausfenster beziehen sich motivisch auf die sechs Tage der Schöpfungsgeschichte;
das dreiteilige Westfenster über dem Portal hat Maria zum Thema.
Der Fensterzyklus: Im Rahmen der Restaurierung entwarf der Künstler Hermann Gottfried in den 80er Jahren einen
neuen Fensterzyklus für Groß St. Martin, der allerdings noch nicht vollständig umgesetzt wurde.
Die je drei Fenster in den Konchen sollen pro Konche einem der drei Schutzheiligen gewidmet sein: St. Eliphius im Norden,
St. Brigida im Süden und St. Martin in der östlichen Apsis. Bislang sind nur die drei Ostfenster mit Glasmalereien
aus dem Leben des heiligen Martin gestaltet. Im Gegensatz zu den Fenstern des Langhauses und den Westfenstern
sind die Ostfenster in vornehmlich rot leuchtenden, kontrastreichen Farben gehalten.
Der Kreuzweg: Die 14 Tafeln vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammen aus Privathand; sie sind entlang der Wand des südlichen Seitenschiffs angebracht.